Lesestoff für Urlauber und Auswanderer: Der Fettnäpfchenführer Norwegen von Conbook

Geht es diesen Sommer nach Norwegen? Zum ersten Mal? Zum 5. Mal? Oder vielleicht steht bald endlich die geplante Auswanderung in den hohen Norden an? 

Für mich ist 2019 jetzt schon mein 5. Jahr in Norwegen. In Deutschland war ich zuletzt zu Weihnachten 2017, Deutsch spreche ich fast nur im Sommer wenn ich Kreuzfahrt-Reisende durch Stavanger führe und dabei jedes Mal einen kleinen umgekehrten Kulturschock erfahre, und überhaupt fühle ich mich in Norwegen so wohl, dass ich beim letzten Umzug auf einen 3-Jahresvertrag (der Höchstdauer in unserer norwegischen Wohnungsgenossenschaft) bestanden habe.

Das war allerdings bei weitem nicht immer so. Als ich während des Bachelorstudiums im Siegerland noch von Skandinavien geträumt habe, war der Plan meinen Master in Schweden zu absolvieren. Zur Vorbereitung war ich im Schwedischkurs an der Uni und habe so ziemlich alle Bücher zum Thema “Auswandern nach Schweden” verschlungen. Am Ende ging es dann für mich aber doch nach Norwegen - im Nachhinein, bis auf die Tatsache, dass ich dank meiner Schwedischkenntnisse zumindest Norwegisch verstehen, wenn auch nicht sprechen konnte, völlig unvorbereitet.

Fettnäpfchenführer Norwegen

Der „Fettnäpfchenführer Norwegen - Im Slalom durch den Sittenparcours des hohen Nordens* bereitet dich auf deinen Aufenthalt in Norwegen vor, ganz egal ob es sich dabei um den Sommerurlaub oder ein neues Leben handelt, und ganz ehrlich? Hätte ich diesen vor meiner Auswanderung gelesen, wären mir so einige peinliche Situationen erspart geblieben.

*Transparenzhinweis: Im Rahmen dieser Buchbesprechung wurde mir die Kindle-Ausgabe vom Verlag gratis zur Verfügung gestellt. Meine Meinung zum Buch ist und bleibt jedoch meine eigene. Dieser Artikel enthält ausserdem Werbelinks die zur Aufrechterhaltung meines Blog beitragen - natürlich ohne zusätzliche Kosten für dich!

Im Buch verfolgt man die großen und kleinen Abenteuer des Stefan Derek - einem deutschen Detektiv im Auftrag in Norwegen, der dem berühmten Derrick nicht ganz unähnlich ist. Zum ersten Mal in Norwegen unterwegs, fällt der arme Stefan gleich mehrere Male ins Fettnäpfchen - auch wenn uns Norwegen geografisch und sprachlich gesehen oft ganz schön nah erscheint, so ist dies am Ende eben doch ein anderes Land mit häufig ganz anderen Sitten. 

Ob es um die richtige Anrede geht, wie man sich bei einer Einladung zu Norwegern nach Hause verhalten sollte, oder was man, wenn die Dinge anders laufen als gedacht, besser nicht machen sollte; all dies wird im Fettnäpfchenführer Norwegen erläutert und erklärt - anhand von Stefan‘s Anfängerfehlern, gefolgt vom „Wieso“ und „Warum“. 

So lernt man unglaublich viel über die Feinheiten der norwegischen Kultur - Dinge die man in einem Standardreiseführer eben nicht erklärt bekommt. Nach 5 Jahren im Land habe ich mir eben diese Feinheiten durch „trial and error“ selbst erlernt und hätte mir im Nachhinein gewünscht, den Fettnäpfchenführer schon im Jahr 2014 gelesen zu haben. Da wäre mir die eine oder andere peinliche Situation erspart geblieben.

Der Fettnäpfchenführer war eine unterhaltsame Reiselektüre auf meinen    Winterferien in Kristiansand

Der Fettnäpfchenführer war eine unterhaltsame Reiselektüre auf meinen Winterferien in Kristiansand

Zum Beispiel als ich am ersten Studientag meine norwegische Mitstudentin „Siv Eli“ mit „Siv“ ansprach und diese mir komplett die kalte Schulter zeigte. Als Deutsche war mir das schließlich nicht bewusst, dass “zweite” Vornamen in Norwegen solche eben oft gar nicht sind, sondern Teil des normalen Vornamens - auch ohne Bindestrich.  

Ähnlich wie mir geht es auch Stefan im Buch - in seinem Auftrag als Detektiv mit norwegischen Kollegen der Polizei, oder privat bei Essenseinladungen und dem (norwegischen) „Vorspiel“. Die Figur des Stefan an sich magt dem einen oder anderen vielleicht etwas prollig erscheinen (obwohl mir so einige Situationen von der Arbeit als Reiseführerin im Land nicht ganz unbekannt sind…), allerdings liegt das in der Natur des Buches. Die Hauptfigur muss etwas überzogen daher kommen um eben die vielen Fettnäpfchen in denen man in Norwegen treten kann, deutlich zu machen. Ansonsten wäre das Buch am Ende wenig unterhaltsam und eben “nur” ein Sachbuch!

Die Autorin Julia Fellinger, die 12 Jahre lang die Kommunikationsabteilung der Deutsch-Norwegischen Handelskammer in Oslo leitete, hat es mit ihrem Fettnäpfchenführer, dank der Figur des Stefan, geschafft leichte Urlaubslektüre mit geballtem Wissen zu verbinden und einen kulturellen Reiseführer kreiert, der zugleich unterhaltsam und lehrreich ist, und eben perfekt für Norwegen-Begeisterte - ganz egal ob Urlauber, Auswanderer, oder solche die es gerne werden wollen.

Was mir besonders gut gefällt ist, dass die Autorin auch schwierige Themen anspricht. Norwegen ist eben kein perfektes Land (so etwas gibt es nirgends) und daher werden Themen wie der Umgang der Norweger mit Alkohol (sie trinken vielleicht etwas seltener als Deutsche aber wenn, dann so richtig!) oder mit Konflikten (denen man hierzulande eben am liebsten aus dem Weg geht) genauso behandelt wie “leichtere” Themen - norwegisches Essen und wie man sich bei Einladungen zu verhalten hat, zum Beispiel.

Fettnäpfchenführer Norwegen Conbook

Das Format des Buchs als teils fiktiver Roman und teils Sachlektüre mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein - ich persönlich fand es erfrischend. Wie dem auch sei, mit der Lektüre erhält man auf jeden Fall einen umfassenden Einblick in die norwegische Kultur und vor allem die “Dos und Don’ts”, sodass man sich im Urlaub oder im Leben als Auslandsdeutscher nicht (so wie Stefan und, zugegebenermassen, anfangs auch ich selbst) total blamiert.

Der Fettnäpfchenführer Norwegen ist seit diesem Jahr in einer komplett überarbeiteten und aktualisierten Ausgabe vom Conbook Verlag erhältlich - sowohl als Taschenbuch, als auch als Ebook - und enthält 256 Seiten. Das Taschenbuch ist im Einzelhandel für 12,95€ erhältlich und die Kindle-Ausgabe gibt’s bei Amazon für 11,99€.

Ich kann diesen nur wärmstens empfehlen und werde auf jeden Fall ein Exemplar für meine Familie kaufen - schliesslich steht bei uns das Treffen meiner Familie und der meines (norwegischen) Freundes immer noch an…

Ob es wohl auch einen “Fettnäpfchenführer Deutschland” für Norweger gibt? Nur für alle Fälle?

Noch nicht ganz überzeugt? Hier gibt’s eine Leseprobe des Buchs!

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